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Anhaltisches Theater Dessau

Opernhäuser insgesamt: 117

 

Theatergeschichte ↓ zur Geschichte des Opernhauses

Anschrift:
Deutschland
Friedensplatz 1a
D 06844 Dessau
Sachsen-Anhalt
Tel.:0340-25 11 333
Fax:
eMail → kasse@anhaltisches-theater.de
Homepage: → www.anhaltisches-theater.de
Ticketinfo:
Spielstätten: Anhaltisches Theater
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Geschichte

Das Berufstheater in Dessau begründete die Bossannsche Schauspielergesellschaft, eine fahrende Truppe, die am 31. Juli 1794 mit Dittersdorfs Das Rote Käppchen ihre erste Spielzeit in Dessau eröffnete. Offenbar fand die Aufführung so großen Anklang, daß ein Vertrag über eine zweite Spielzeit geschlossen werden konnte. Mit nur wenigen Wiederholungen wurden in der ersten Dessauer Theatersaison insgesamt 40 Vorstellungen gegeben; darunter 22 Schauspiele und 13 Opern. Am 19. Juli 1795 begann dann die zweite Saison der Gesellschaft in Dessau. Unter den 28 Schau- und Lustspielen, die in dieser Saison neu aufgeführt wurden, waren, wie nicht anders zu erwarten, allein 8 Stücke von Iffland und 4 von Kotzebue. Damals gefeierte Opern wie Oberon, König der Elfen von Wranitzky oder Romeo und Julia von Benda sind heute fast völlig in Vergessenheit geraten. Mit 375 Talern monatlich aus der fürstlichen Kasse wurde die Bossansche Gesellschaft subventioniert.

Ort des Theatergeschehens war die Fürstliche Reitbahn, die eigens zu diesem Zweck hergerichtet wurde. Als sich herausstellte, daß diese Lokalität wenig künstlerische Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten hatte, folgte Fürst Leopold Friedrich Franz einem Zug der Zeit – bereits seit der Jahrhundertmitte schossen in den deutschen Residenzen die Theater beinahe wie Pilze aus dem Boden – und beauftragte Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff mit dem Bau eines Theaters. Zu diesem Zwecke hatte der Fürst das Grundstück „Alte Post“ und einige dahinterliegende Gebäude erworben und im Jahre 1798 wurde mit dem Bau begonnen. Noch im Jahr der Grundsteinlegung wurde der Bau, der damals 1000 Zuschauern Platz bot, vollendet. Ein interessantes Licht auf die Gesinnung des Dessauer Fürstenhauses wirft die Tatsache, daß die hochherrschaftlichen Plätze nicht, wie im 18. Jahrhundert üblich, als Loge in die Mitte des 1. Ranges, sondern ? mit ausdrücklicher Zustimmung des Fürsten – in das Parkett verlegt wurden. Mit dem Einzug der Bossanschen Schauspielergesellschaft in das neue Theater vollzieht sich auch in Dessau der theaterhistorisch bedeutsame Übergang von der Prinzipalschaft zum intendantengeleiteten Theater. Zum Intendanten wurde Freiherr Carl August von Lichtenstein berufen. Mit Lichtenstein, der selbst Opern komponierte und der es es sich – obwohl adeliger Herkunft – nicht nehmen ließ, auch selbst auf der Bühne zu stehen, erfuhr das Dessauer Theater nun erstmals eine stärkere Ausrichtung auf die Oper hin. So war seine Oper Barthemdi die Eröffnungsvorstellung am 2. Weihnachtsfeiertag des Jahres 1798. Die Wirren des Krieges führten 1810 zur Schließung des Dessauer Theaters. Bossann, dem nach der glücklosen, die fürstliche Kassen zu stark strapazierenden Intendantenschaft Lichtensteins erneut die Theaterleitung anvertraut worden war, hatte sich freiwillig in den Lazarettdienst gemeldet. Er zog sich eine Typhusinfektion zu, an der er am 27. November 1813 starb. Damit geht das erste Kapitel des Berufstheaters in Dessau endgültig zu Ende.

Nach dem Wiener Kongreß dachte man 1815 auch in Dessau wieder an die Eröffnung des Theaters. Es waren aber unruhige Zeiten, denen man entgegensah, die herannahende Revolution, die Formierung des Vierten Standes trugen ihren Teil dazu bei. Die Unruhe dieser Zeit läßt sich in bezug auf das Theater Dessau auch darin erkennen, daß in diesen Jahren fünfzehn Mal die Intendanz wechselte. Als sich die Zeiten wieder etwas beruhigt hatten, fiel das Dessauer Theater im März des Jahres 1855 einem Brand zum Opfer.

Wagner-Pflege

Nach nur eineinhalbjähriger Bauzeit konnte das neue Theater in Dessau mit Meyerbeers Robert und der Teufel wiedereröffnet werden. Unter Eduard Thiele, der 1860 zum Hofkapellmeister ernannt worden war und dem Intendanten Rudolph von Hermann erarbeitete sich das Dessauer Theater den Ruf „Bayreuth des Nordens“. Abgesehen von der Ouvertüre zu Tannhäuser, die Friedrich Schneider 1853 in einem Konzert aufführte, war der Tannhäuser das erste Werk des Bayreuther Meisters, das in Dessau zur Aufführung kam. Wagners Lohengrin kam dann 1867 auf die Dessauer Bühne, und bereits sieben Monate nach der Münchener Uraufführung fand am 30. Januar 1869 die Dessauer Erstaufführung der Meistersinger statt. Und noch im November 1869 folgte in Dessau die Aufführung des Fliegenden Holländers. Wagner, der einer Orpheus-Aufführung in Dessau beigewohnt und auch eine Probe zum Fliegenden Holländer besucht hatte, soll begeistert zum Dessauer Ensemble gesagt haben: „Sie müssen mir alle helfen!“ Und in der Tat fanden die ersten Bayreuther Festspiele unter Beteiligung von 12 Hofmusikern der Dessauer Hofkapelle statt. Nach Bayreuth, Leipzig und Berlin war Dessau eine der ersten Bühnen, die sich in den Spielzeiten 1891/92 und 1892/93 an eine Aufführung des Rings wagten. Von drei Ausnahmen abgesehen wurde zwischen 1885 und 1925 jede Theatersaison mit einer Wagner-Oper eröffnet und auch beendet. Diese Tradition wie auch der Mut, sich an den Ring zu wagen, trug dem Dessauer Theater den Ruf vom „Bayreuth des Nordens“ ein.

Die Ära Knappertsbusch

1918 hatte Hans Knappertsbusch die Nachfolge von Generalmusikdirektor Franz Mikorey angetreten. Knappertsbusch fühlte sich vor allem dem neuen Musikschaffen verpflichtet, und auch der in dieser Zeit auf einem Ankündigungszettel erscheinende Name Kurt Weills als Korrepetitor deutet die zumindest partielle ästhetische Neuorientierung des Hauses an. Unter der Leitung von Hans Knappertsbusch gab es eine Reihe von Ur- und Erstaufführungen in Dessau.

Am 25. Januar 1922 wurde das Friedrich-Theater, das ehemalige Hoftheater, bei einem Brand völlig zerstört. Das Feuer brach gegen Mittag während einer Probe von Robert und Bertram infolge eines Kurzschlusses aus und verbreitete sich in rasender Schnelligkeit über die angrenzenden Räume. Das nach den Plänen des Berliner Architekten Friedrich Lipp erbaute neue Theater öffnete am 29. Mai 1939 mit der Premiere des Freischütz seine Pforten. Mit seiner Gesamtbühnenfläche von über 1450 Quadratmetern zählte das Dessauer Theater damals zu den größten Bühnen Europas.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Dessauer Theater bei einem Luftangriff erneut völlig zerstört und 1949 mit Mozarts Zauberflöte wiedereröffnet. Das 1994 in Anhaltisches Theater Dessau umbenannte Haus ist ein Mehrsparten-Theater und rangiert auch heute noch unter den größten Bühnenhäusern. Mit einer Bühnenraumbreite von 24 m, einer Tiefe von 20 m und mit einer Drehscheibe (Durchmesser: 16 m) rangiert das Anhaltische Theater Dessau noch immer unter den größten Bühnenhäusern Deutschlands und Europas, auch was die Platzkapazität betrifft: 1096 Plätze stehen im Zuschauerraum, weitere 80 im Studio und 150 im Foyer zur Verfügung.

Künstlerische Leitung

Geleitet wird das Haus von Generalintendant Johannes Felsenstein (einem Sohn und langjährigen Mitarbeiter des legendären Begründers und Leiters der Komischen Oper Berlin, walter Felsenstein). Gleichzeitig ist Johannes Felsenstein Chefregisseur des Musiktheaters. Ihm zur Siete stehen als Chefdirigent der Anhaltischen Philharmonie Dessau Generalmusikdirektor Golo Berg, als Schauspieldirektro der in Dessau geborene Helmut Straßburger sowie der aus Kuba stammende Ballettdirektor Gonzalo Galguera.

Seit seinem Amtsantritt im Dezember 1991 ist Felsenstein und seinem Leitungsteam ein spürbarer künstlerischeer Qualitätsanstieg gelungen, der ein großes überregionales Interesse auf das Dessauer Theater gelenkt hat. Mittlerweile kommen nicht nur Besucher aus Dessau und Umgebung in die aufsehenerregenden Inszenierungen, sondern auch viele Gäste aus deutschen Metorpolen zwischen Hamburg, Berlin und München sowie auch aus dem Ausland.

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