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André Norman - Berliner Erstaufführung von "Gran Tourismo"

André Norman - Berliner Erstaufführung von "Gran Tourismo"

Andrew Norman

amer. Komponist
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Gran Turismo“ heißt ein Videospiel, das den Nervenkitzel des Rennsports ziemlich realistisch erleben lässt. Daraus Inspiration für ein Musikstück zu beziehen wirkt zeitgemäß - doch André Norman liebt es komplexer. Sein komponierter Geschwindigkeitsrausch ist von der Technikbegeisterung aller Zeiten inspiriert. Etwa von der Barockmusik, deren Motorik und Dynamik die zunehmende Mobilität der Epoche widerspiegel; vollends fasziniert den jungen Amerikaner die Maschinenverliebtheit des Futurismus.

Im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie schickt das Kammerorchester „Berliner Camerata“ acht seiner Violinisten ins Rennen, um Normans „Gran Turismo“ von 2003 zur Berliner Erstaufführung zu bringen. Die zu äußerster Virtuosität herausgeforderte Truppe beweist Mut, indem sie auf einen Dirigenten verzichtet. Die Aufstellung im Kreis, vom Publikum abwendet, ist klanglich weniger günstig. Was ein vitaler Ausbruch unablässiger Bewegung sein sollte, klingt so etwas matt. Ein immer wieder anhebendes Bienensummen wird von scharfen Akzenten gegliedert. Das eng aufgefächerte Tonmaterial bewegt sich in hellen und dunklen Registern, harten und weichen Facetten, rast nach lyrischen Einschüben einem fulminanten Ende zu - „schneller, höher, lauter“, fordert der Komponist. Das ist pfiffig gemacht und wird heftig beklatscht – doch die Futuristen selbst um den Geräuschmusiker Luigi Russolo vor 100 Jahren oder auch die französischen Spektralisten in den Achtzigern haben das provokanter, auch kraft- und klangvoller formuliert.

So werden – nach einer erfreulichen Begegnung mit Mendelssohns frühem, noch dem barocken Gestus verpflichteten Violinkonzert in d-Moll – Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ zum „modernsten“ Stück des Abends. Häufiger Verzicht auf Vibrato, Tremolospiel eng am Steg, harte Staccati durch auf die Saiten aufprallende Bögen ziehen dem Werk eine Art Geräuschfolie ein, rücken es mit seinen repetierenden Rhythmen manchmal fast in Techno-Nähe – ein weiterer Beweis für sein sich stets erneuerndes Potential.

Isabel Herzfeld

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